HAVEMANN

Dauer 1:28:29

Dauer 1:22:31

FORTSETZUNG FOLGT 

Das Film-Projekt setzt das Buch Havemann, erschienen im Suhrkamp-Verlag 2007, fort. Aber es geht auch weit darüber hinaus. 

Ein autobiographischer Film – das wäre ja schon mal was. Vielleicht etwas Neues. Aber ich will hier ja gar nicht meine Lebensgeschichte erzählen. Geschichten aus meinem Leben kommen vor, denn sie gehören ja zu mir, und ich denke über manche dieser Geschichten immer wieder nach, ich komme unweigerlich auf sie zurück.

Dieses Film-Projekt hier ist der Versuch, möglichst präzise und umfassend, meine Denkweise darzustellen, meine Strategien, wie mit Problemen umgehen, meine Art der Produktivität, das, was mich fasziniert und beschäftigt – mit filmischen Mitteln. 

Als ein Film-Projekt, umfassender als ein Stück Literatur – es gibt doch Dinge in meinem Leben, die besser gezeigt werden, als dass über sie gesprochen würde. Diese Welt da draußen, der auch ich ausgesetzt bin. Aber die filmischen Mittel sind dann auch wieder beides: sie eröffnen Möglichkeiten, sie beschränken mich aber auch. Und das muss doch mal reflektiert werden. Ich jedenfalls komme darum nicht herum. 

Schema F wie Florian: 1 erst sind da immer die anderen, wie sie leben, was sie so tun, was ich davon aufnehmen und filmisch festhalten kann. Durch die anderen, mit denen ich lebe, zu denen ich gehöre, komme ich 2 auf mich, und diese anderen werden zu anderen, weil ich auf mich komme. Ich bleibe jedoch nicht bei mir, ich komme 3 von mir auf die, die mir nahe sind. Auf die, die mich beeinflusst haben, tot oder am Leben. Auf die, mit denen ich mich beschäftigen musste, beschäftigt habe. Und dann beschäftigt mich 4 auch dies: wie ich mich mit ihnen beschäftige, in welcher Weise ich diese Welt darstelle, in der ich lebe. 

1, 2, 3, 4 und dann geht es in der nächsten Folge wieder von vorne los. Mal sind diese Folgen kurz, mal werden sie lang, hängt vom Stoff ab. Jedenfalls will ich noch lange nicht damit aufhören. Da kommt noch einiges. 

Halte ich mich denn für so interessant? Nicht, dass ich wüsste, ob ich es denn für andere bin. Aber darauf kommt es nicht an, sollen sich doch andere ein Beispiel an mir nehmen, jedenfalls darin, dies auch einmal zu versuchen, ihre Denkweise darzustellen – vielleicht sind sie ja genauso interessant, interessanter sogar als ich es bin. 

Florian Havemann, März 2026